Sonntag, 22. Dezember 2013

Lieblingscomics (2): Die Rückkehr des Dunklen Ritters

In der nahen Zukunft, irgendwann ab Ende der Achtziger. Gotham City ist ein Ort der Gewalt und des Verbrechens. Halbstarke Schläger der Mutanten-Bande verbreiten Terror auf den Straßen. Eine Hitzewelle macht der Stadt zu schaffen. Der ehemalige Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent wird nach zwölf Jahren als geheilt aus der Arkham-Irrenanstalt entlassen. Kurz darauf verschwindet er spurlos. Die sensationsgeilen Nachrichtensender begleiten die trostlose Gegenwart mit ihrem endlosen Geplapper. Batman, der Vigilant, der einst das Verbrechen in Gotham auf eigene Faust bekämpft hat, ist seit zehn Jahren nicht mehr gesehen worden. Der Millionär Bruce Wayne ist ein verbitterter alter Knacker, der immer wieder an den Tag denkt, an dem seine Eltern von einem Straßenräuber getötet wurden. Da kann er nicht mehr anders: Er erweckt Batman wieder zum Leben. Doch Batman ist kein strahlender Held, sondern ein gewalttätiger Psychopath, ein Spiegelbild der gewalttätigen und psychopathischen Welt, in der er lebt.

Mit seinem grimmigen Schlüsselwerk „The Dark Knight Returns“ leitete Frank Miller Ende der achtziger Jahre eine neue Ära der Superheldencomics ein. Sein BATMAN war kein Comicheft für Kinder mehr, sondern ein wuchtiges Buch mit zweihundert Seiten Umfang, komplex wie ein Roman, mit Zeichnungen, die wie Filmeinstellungen und Kamerafahrten wirkten. Die Handlung war eine Reflektion der Reagan-Ära. Miller entwarf eine düstere, apokalyptische Zukunft, in der die Welt aus den Fugen geraten war und Comichelden, die normalerweise immer jung und gut blieben, alterten, sich änderten und fragwürdige Handlungen begingen.

Wir Leser, die in der Jugend Superheldencomics als Unterhaltungslektüre konsumiert hatten, waren erwachsen geworden. Wir hatten ein Interesse daran, uns an die Comichelden unserer Jugend zu erinnern, waren jedoch auch anspruchsvoller und die Welt war komplizierter geworden. So entstanden Mitte der Achtziger „Graphic Novels“, die sich an ein erwachsenes Publikum richteten, vertrieben nicht mehr am Kiosk um die Ecke, sondern in Comic-Spezialbuchhandlungen. In Deutschland erschien „Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ 1989 in der „Edition comicArt“ im Carlsen-Verlag, drei Jahre nach der amerikanischen Erstveröffentlichung, in deutscher Übersetzung von Uwe Anton mit einem Vorwort des Comic-Spezialisten und Lektors der Reihe Andreas C. Knigge.

1989 war das Jahr, in dem Reagans Präsidentschaft endete und die Berliner Mauer fiel. Es war auch das Jahr Batmans und der amerikanischen Comics. Den „Dunklen Ritter“ kaufte ich noch in der Carlsen-Ausgabe, 1. Auflage. Doch schon Millers folgendes BATMAN-Buch „Year One“, in dem er in einem – wie man heute sagen würde – „Reboot“ die Ursprungsgeschichte Batmans neu erzählte, erwarb ich nicht mehr in der deutschen Fassung, sondern in der Originalversion. Ich erinnere mich, dass ich das Buch im Virgin-Megastore in der Oxford Street in London kaufte. Das schwarzgelbe Batman-Logo war in dem Jahr an jeder Ecke zu sehen, und aus dem Radio wummerte der Batman-Song von Prince. Denn im selben Jahr startete auch Tim Burtons erster BATMAN-Film. Ich kaufte ein BATMAN-Shirt und lief damit in der Uni herum.

In den Neunzigern folgte ein Boom der amerikanischen Comics. In deutschen Comicläden konnten wir aktuelle Hefte bestellen und Serien abonnieren. Einmal im Monat holte ich da meinen Stapel mit der brandneuen Lieferung aus den USA ab. In den BATMAN-Comics gab es phantastische Entwicklungen, in denen Batmans Welt ein ums andere Mal auf den Kopf gestellt wurde: War in „A Death in the Family” schon der zweite „Robin“ Jason Todd vom Joker ermordet worden, brach in der „Knightfall”-Saga der neue Bösewicht Bane Batman das Rückgrat und machte ihn zum Krüppel. Carlsen, später Dino und dann Panini veröffentlichten diese Comics auch in deutscher Sprache (später erschien bei Panini auch Millers „Dark Knight“ in deutscher Neuübersetzung unter dem Titel „Der Dunkle Ritter kehrt zurück“). Dazu kam eine neue hochkarätige BATMAN-Zeichentrickserie im Fernsehen und im Kino alle drei Jahre ein neuer BATMAN-Film. Keine Frage: Die Neunziger waren die Zeit der „Rückkehr des Dunklen Ritters“.

Freitag, 13. Dezember 2013

Erschienen: Horrorschocker Nr. 34

Heute, am Freitag den 13. liegt mir HAMMERHARTE HORRORSCHOCKER Nr. 34 vor, das neueste Produkt aus Levin Kurios Comic-Massenproduktionsfabrik „Weissblech Comics“ in Schleswig-Holstein. Levin ist auch vielbeschäftigter Zeichner und wortgewaltiger Hauptautor der Reihe. So enthält das aktuelle Heft seine Story „Die Glocke von Rungholt“ über den Horror der untergegangenen Stadt im nordfriesischen Wattenmeer. Nach dem Skript von Levin Kurio mit Zeichnungen von Kolja Schäfer entstand die schönste Geschichte des Heftes: „Warum Tante Agnes einsam starb“ über ein grausiges Dachbodengeheimnis. „Nachbarn“ von Yann Krehl und Daniel Haas handelt von jenen unerträglichen Ruhestörern in der Wohnung nebenan. Wer da wohl am Ende die ewige Ruhe finden wird?

Ich mag dieses Format der kleinen Gruselgeschichte mit makabrer Pointe im Stil der alten EC-Horrorcomics. Dazu braucht man Leute, die Geschichten erzählen können! Schön, dass es welche in Deutschland gibt, die das regelmäßig auf die Reihe kriegen. Die HORRORSCHOCKER sind genau das richtige Produkt, wenn ich (was ich oft tue) nachts den letzten Zug von Hamburg nach Bremen nehme, am Bahnhofskiosk noch nach Lesestoff stöbere und mir dann so ein Schundheft mitnehme, um die Stunde Heimfahrt mit angenehmem Grusel zu verbringen.

Schon seit mehreren Wochen in meinem Besitz befinden sich die Startausgaben der neuen Weissblech-Reihen CAPTAIN BERLIN, eine schräge Superheldenparodie in Zusammenarbeit mit Horrorfilmer Jörg Buttgereit, und das gehirntriefende Sonderheft ZOMBIETERROR. Daneben produziert Weissblech noch XXX COMICS mit ganz schön „schmutzigen Geschichten“. DERBER TRASH druckt Jugendsünden nach, die so schöne Titel tragen wie „Drogengeile Teenieschlampen“ und „Horror aus der Pornogruft“. In WEISSBLECHS WELTBESTE COMICS (WWC) erscheinen Anthologien zu Themen wie „Wollüstige Vampire aus dem Weltraum“ und „Schauriger Schund“. Und in WELTEN DES SCHRECKENS geht’s im Pulpstil in die Urzeit und in den Weltraum. Und das ist längst nicht alles. Levin Kurio und sein Team jagen ein Heft nach dem andern raus. Für Nachschub ist also immer gesorgt. Gut so!

Huh huh, gleich ist Mitternacht. Geisterstunde!

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Phantastisches Cover von Michael Vogt

Der Atlantis-Verlag präsentiert schon mal Titelbild und Inhaltsverzeichnis des neuen phantastisch!-Heftes, das im Januar erscheint. Das Bild stammt von Michael Vogt, dem tollen Künstler von EIN SELTSAMER TAG, und es zeigt eine phantastische Reise durch den Weltraum in einem ungewöhnlichen Fahrzeug. Die Zeichnung versetzt mich in surreale Stimmung und Vorfreude auf die absonderlichen Werke, die im Innern des Heftes noch auf mich warten. Darin übrigens auch wieder ein One-Pager, dem wir den Arbeitstitel „Planet der Kröten“ gegeben haben.

Da verweise ich doch gern einmal auf Michas Blog, in dem er immer wieder Einblicke in seine Arbeit gibt. Eine Fundgrube ist auch seine Präsenz auf der Künstler-Plattform deviantART: Dort zeigt er uns viele seiner professionellen Arbeiten, Fingerübungen und Works in progress, zum Beispiel Bilder für eine Reihe von Kinder-Fußballbüchern, die er gerade abgeschlossen hat, viele Comicseiten seines Opus magnum LOS 7 MARIACHIS über eine coole Gruppe herumreisender mexikanischer Musiker, und Porträts von Fernseh- und Filmhelden wie Columbo, Nikita, Mrs Peel, „Nummer sechs“ oder auch „Heisenberg“ aus BREAKING BAD.

Auch für PERRY RHODAN ist Michael schon aktiv gewesen, so für die PERRY-Comics und die STELLARIS-Kurzgeschichten. Und zu entdecken gibt es auch noch Skizzen, Festtagskarten, ungeletterte und kolorierte Seiten von EIN SELTSAMER TAG. Diese erlauben manchmal schon einen Blick auf Artwork, das noch nicht im Print erschienen ist, zum Beispiel die EST-Episode „Sternekieker“, die Ende 2014 gedruckt wird.

Samstag, 7. Dezember 2013

Mein erstes Zack

1972 warf der Koralle-Verlag das erste ZACK-Heft auf den Markt, da war ich noch zu klein dafür (Kindergarten). Fünf Jahre später rutschte ich in die relevante Zielgruppe, da waren inzwischen etwa zweihundert Ausgaben erschienen. Ich konnte also eine Menge nachholen durch Kauf auf Flohmärkten, als es sie noch gab: diese großen wunderbaren samstäglichen Veranstaltungen, auf denen Jugendliche ihre Decken ausbreiteten und ausgelesene Comichefte zurück in ein paar Groschen verwandelten. Da strichen wir (die Käufer) teilweise schon früh morgens herum, damit die guten Sachen nicht schon weg waren. Und am Nachmittag kehrten wir dann mit unseren Fängen nach Hause zurück, zum Beispiel KOBRA-, PERRY- oder ZACK-Heften. Später arbeitete ich auch mit Listen, um Lücken in der Sammlung zu füllen. Denn oft kannte ich, sagen wir, den zweiten und vierten Teil einer Fortsetzungsgeschichte und wollte wissen, was dazwischen geschehen war, oder wie die Geschichte endete, oder wie sie angefangen hatte.

Im Dezember 1977 entschied ich mich mit dieser Ausgabe, regelmäßig das brandneue ZACK-Heft am Kiosk zu kaufen, das kostete alle vierzehn Tage zwei Mark fuffzig. Darin gab es „die großen Abenteuer unserer Zeit“: Geschichten von Fliegern, Rennfahrern, Abenteurern und Detektiven, meist Lizenzserien franko-belgischer Comics. In diesem Fall war es ein britisch-spanisches Produkt, das mich angezogen hatte: Die Adaption der neuen englischen Weltraumserie MONDBASIS ALPHA 1, die wenige Monate zuvor im deutschen Fernsehen angelaufen war. Die Zeichnungen dazu stammten von dem Spanier José Cardona, der die Figuren und Raumschiffe sehr originalgetreu rüberbrachte. Die Geschichten waren meist Adaptionen von Serien-Episoden, auch solcher, die in Deutschland noch nicht oder gar nicht gelaufen waren. So enthielt dieses Heft eine Monster-Episode, die wegen zu starker Horrorelemente im deutschen Fernsehen lieber gar nicht erst ausgestrahlt worden war.

Auch der Rest des Heftes war voller MONDBASIS ALPHA 1: Auf S. 3 gab es ein Tütchen mit Panini-Sammelbildern für das große MONDBASIS-Sammelalbum, auf S. 16 ein Gewinnspiel mit Werbung für einen „Adler“-Modellbausatz und das erste Fotobuch zur Fernsehserie – alles Produkte, die ich damals kaufte. Auf S. 40 wurden noch „die Rangabzeichen der Alpha-1-Besatzung“ erklärt: Die „Adler“-Piloten trugen einen Ärmelstreifen in Orange, die Computeranalytiker einen gelben usw.

Und dann las ich natürlich die anderen Comics im Heft: Für die ANDY-MORGAN-Geschichte „Ein Himmelfahrtskommando“ habe ich mich nicht so sehr interessiert, sie war schon zu weit fortgeschritten und zu komplex. Aber 1978 las ich dann mit Begeisterung die Folgegeschichte „Teuflischer Anschlag“. DAN COOPER begann gerade in diesem Heft mit dem Agententhriller „Die Affäre Minos“, da wollte ich natürlich wissen, wie es weitergeht! Die MICHEL-VAILLANT-Geschichte „Die jungen Wölfe“ dagegen spielte ganz im Rennfahrer-Milieu. Und auch LUCKY LUKE war vertreten mit „Die Daltons werden solide“. Ein paar Monate später sah ich im Kino „Lucky Luke – Sein größter Trick“.

Irgendwie passte in den Jahren 1977/78 alles gut zusammen.

Donnerstag, 28. November 2013

Ich (17), professioneller Comicreporter

Im Jahr 1984 ging ich zur Schule in Bremen. Ich hatte schon Schülerzeitungen und Fanzines gemacht. Doch jetzt hielt ich die Zeit für reif, mit meinen grandiosen Texten auch mal ein paar müde Mark zu verdienen. Gerade war im Carlsen-Verlag als Sonderband das allererste Abenteuer der phantastischen SF-Serie VALERIAN UND VERONIQUE erschienen, eine Art Nullnummer mit Extras. Also forderte ich ein Rezensionsexemplar an und tippte in meine Olympia-Schreibmaschine ein Werk, das ich postwendend der „KursBuch“-Redaktion zur Verfügung stellte. Gemeint ist nicht Hans Magnus Enzensbergers berühmte Kulturzeitschrift, sondern so hieß ein Bremer Stadtmagazin im A5-Format, vergleichbar etwa dem Hamburger „Oxmox“.

Der Artikel wurde angenommen und erschien in der Oktober-Ausgabe 1984. Hier ist er: Mein erster professioneller Comictext. Es gab Zeilenhonorar und einen Scheck. Als ich später zum ersten Mal in die Redaktion kam, sah dann der Chefredakteur, was für ein kleiner Junge da für ihn über Comics schrieb. Dennoch arbeitete ich weiter fürs KursBuch, oft Buch-, Film- und manchmal auch Comicrezensionen. Und einmal kam der Redakteur auf die Idee: „Wir müssten mal eine Serie über Bremer Comiczeichner machen!“ Also zog ich los und „recherchierte die Szene“. Erste Anlaufstation war mein Lieblings-Comicladen. Und als der dortige Verkäufer sich tatsächlich als ein Typ entpuppte, der in seiner Freizeit Comics zeichnete, machte ich von da ab jeden Monat ein Interview mit einem anderen Zeichner. Nachdem die erste Folge erschienen war, meldeten sich die Zeichner von selbst in der Redaktion.

Es würde mich interessieren, was aus all den damaligen Gesprächspartnern geworden ist. Viele von ihnen waren sicher überrascht über den Juniorreporter, der da bei ihnen anrückte. Ich hoffe, viele von ihnen zeichnen auch heute noch, und einige können damit vielleicht sogar ihr Geld verdienen. Ein paar waren auch damals schon sehr berühmt, zum Beispiel Til Mette, der später regelmäßig Cartoons für den „Stern“ zeichnete, und Christian Gorny, der dann mit seinem HAARMANN-Comic großen Erfolg hatte. Für das Gorny-Interview habe ich übrigens das erste und bisher einzige Mal in meinem Leben ein Ausfallhonorar bekommen. Dem Redakteur gefielen einfach Christians Zeichnungen nicht. Da machte ich für den Monat halt noch ein anderes Interview. Olaf, der rasende Comicreporter.

Samstag, 23. November 2013

Maikel Das 50

Jetzt geht’s zur Geburtstagsfeier von Maikel Das in Hamburg. Maikel, obwohl jung an Jahren (hüstel), ist ein Urgestein der Comicszene. Er ist Zeichner, Autor, Redakteur und – seitdem er gemeinsam mit Kai Hirdt die Alligatorfarm übernommen hat: Verleger und Herausgeber der PERRY-Comics. Maikel ist Donaldist, Westernfan, aktiver Begleiter der STAR-WARS-Szene. Wir könnten uns bereits 1980 einmal über den Weg gelaufen sein, als wir beide unabhängig voneinander den PERRY-RHODAN-Weltcon in Mannheim besucht haben.

Richtig kennen lernten wir uns bei den PERRY-Comics, so ab 2007. Ich mag an Maikel besonders, wie er als Redakteur unaufdringlich und bescheiden dennoch die Zügel fest in der Hand hält. Auf ihn kann man sich verlassen: Wenn etwas besprochen wurde, dann wird es auch so gemacht. Und wenn jemand eine bessere Idee hat, dann kann man auch darüber noch sprechen. Maikel kennt wirklich jeden in der Comicszene und ist der Hauptverantwortliche dafür, dass ich mit meinem Geschreibsel überhaupt jemals irgendwo Comics publizieren konnte: Bei PERRY bringt Maikel die Zeichner und Autoren zusammen und koordiniert den Produktionsprozess von der Storyentwicklung übers Layout bis zur Produktion und zum Vertrieb der Hefte.

Unsere schönste Zusammenarbeit war der Kurzcomic „Der Mann, der Piet Rawland erschoss“, den wir 2011 für PERRY produziert haben (erschienen 2013). Maikel hatte mich durch seine Begeisterung für Sam Peckinpah dazu inspiriert, ich hatte ruckzuck ein Skript geschrieben, und nun war es Maikels Aufgabe als Redakteur, dafür einen Zeichner zu suchen. Zu meiner großen Freude fand er sich selbst und zeichnete den Comic nach Layouts von Till Felix. Ein richtig schöner Sci-Fi-Western ist das geworden, mit einer dreifach ineinander verflochtenen Zeitschleife und auch einer gewissen Portion Sex und Gewalt. Diese Produktion hat einfach von vorne bis hinten Spaß gemacht!

Ich muss mich beeilen, denn gleich geht die Party los. Zufälligerweise wurde Maikel am gleichen Tag geboren, an dem in England die erste Folge einer gewissen Kultserie mit einem zeitreisenden Doctor über die Bildschirme flimmerte. Heute, am „Tag des Doctors“, erhält also auch Maikel sein Upgrade auf 5.0. Hab’ ihm was whoiges aus England mitgebracht. Aber pssst!

Freitag, 15. November 2013

Lieblingscomics (1): Spirou: Fauler Zauber in Afrika

Im Nationalpark Niokolo-Koba im Senegal verschwinden Tiere und Menschen spurlos. Der abenteuerlustige Spirou und sein Reporterfreund Fantasio geraten in diese wilde Geschichte, als mitten in Paris der UNESCO-Abgeordnete Folleg in ihr Taxi stürzt und ihnen einen Koffer mit einem geheimnisvollen Amulett übergibt. Und dann ist Folleg, der von einem Gangster verfolgt wird, plötzlich verschwunden. Nur seine Kleider liegen noch im Taxi. Das Amulett stammt von Follegs Onkel, dem Zauberer Mansa Mussa, der in einem kleinen Mandingo-Dorf in Niokolo-Koba lebt. Spirou, Fantasio und natürlich auch das Eichhörnchen Pip machen sich sofort auf nach Afrika, um das Amulett zurückzubringen. Dort treffen sie auf neue und alte Freunde und eine ganze Reihe zwielichter Typen. Mansa Mussa ist von ein paar schweren Jungs entführt worden. Aber auch Elefanten, Büffel und Krieger eines Bassari-Stammes lösen sich über Nacht in Luft auf.

Dieses bunte Afrika-Abenteuer war das fünfte SPIROU-Album aus der Feder von Jean-Claude Fournier (der sich auf der vierten Seite als Fahrer, dem das Auto geklaut wird, mit einer Selbstkarikatur verewigte). Es enthält einen stets zum nächsten Abenteuer bereiten Spirou, einen cholerischen Fantasio und viele wunderschöne Nebenfiguren, so Major Plum-Park, den hochnäsigen Schotten, Spirous und Fantasios neuen Freund Prugal Knape, der an jeder Ecke in Afrika Verwandte zu haben scheint, und den armen Fega Maldas – wenn einer vom Auto fällt, dann er. Das Eichhörnchen Pip hofft in Afrika Nüsse zu finden, und auch die pfiffige Reporterin Ororea mischt wieder mit – kein Wunder, dass Fantasio bis über beide Ohren in sie verknallt ist.

Ich erinnere mich genau, dass ich diese Geschichte bereits als Kind in einem Comicmagazin gelesen habe, und dass sie mir schon damals gut gefallen hat. Ich habe ein wenig recherchiert und zu meiner Überraschung in der Kaukapedia herausgefunden, dass es sich bei dem Comicmagazin um FIX UND FOXI im Jahr 1975 gehandelt haben muss. Dort lief SPIROU als „Pit und Pikkolo“, und die Geschichte, die damals brandneu war, bekam den schönen deutschen Erstveröffentlichungstitel: „Schwere Jungs und fauler Zauber“. Im Anschluss wurde gleich das Folgealbum „Apfelsaft für Alpha zwo“ (später: „Apfelwein für Xorien“) veröffentlicht, eine Geschichte, an die ich mich auch sehr gerne erinnere und über die ich vielleicht später hier mal was schreibe.

Die restlichen Comics im FIX-UND-FOXI-Magazin scheinen keinen großen Eindruck auf mich gemacht zu haben, denn ich habe keine Erinnerung an die anderen dort verzeichneten Geschichten. Aber dieser faule Zauber hat es mir angetan: Dabei gefällt mir besonders, wie hier Funny und Realismus, Abenteuer, Zauberei und Detektivspiel ganz reibungslos miteinander verbunden werden. Fournier beherrscht das fabelhaft, und die Geschichte – 1984 deutsch als Album bei Semic, 1989 bei Carlsen, Neuausgabe 2004 – gefällt mir heute so gut wie damals als Achtjährigem.

Donnerstag, 7. November 2013

Erschienen: Die Sprechblase Nr. 228

Eine neue SPRECHBLASE ist immer eine Fundgrube an detaillierten und gut recherchierten Berichten für Comic-Fans und -Forscher. Im 38. Jahrgang erscheint die Zeitschrift nun und hat selbst solche Schicksalsschläge wie den Tod ihres Gründers und Verlegers Norbert Hethke im Jahr 2007 überstanden. Unter der Chefredaktion von Gerhard Förster übertrifft sich das Magazin ein ums andere Mal selbst, man denke allein an das grandiose Special zu den PERRY-Comics in SPRECHBLASE Nr. 223. Jüngst haben Gerhard Förster und DIE SPRECHBLASE auf dem Comicfestival in München den PENG!-Preis für beste Comic-Berichterstattung erhalten und werben damit stolz auf dem Titelblatt – zu Recht! Die Menschen, die diese Zeitschrift machen, lieben Comics. Und sie kennen sich richtig gut damit aus.

Diese Ausgabe gefällt mir besonders. Sie hat achtzig prall gefüllte Seiten, und wenn man damit durch ist, ist man traurig, dass es nicht noch mehr sind. DIE SPRECHBLASE Nr. 228 wird von drei großen Themen beherrscht, die (bei mir als Leser) alle genau ins Schwarze treffen: Da ist der zweite (von drei) Teilen einer gigantischen Abhandlung über den unglaublichen Stan Lee, diesmal geht’s um die Schlüsselphase seines Lebenswerks: die Erschaffung der Marvel-Comichelden. Herrlich zu lesen, und macht Lust darauf, die alten Marvel-Hefte aus den Siebzigern wieder hervorzuholen! Dann ist da ein ausführlicher Hintergrundbericht über den türkischen Comicheld TARKAN, einen Hunnenkrieger, der 1967 zuerst als Zeitungsstrip in „Hürriyet“ erschien, sogar verfilmt wurde und in der Türkei eine unglaubliche Popularität erreichte. Die Serie erschien in Heftform auch in Deutschland, wurde aber wegen Gewaltdarstellungen von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften dauerindiziert. Die Spezialisten von der SPRECHBLASE liefern viele liebevoll recherchierte Hintergründe und einen ausführlichen Episodenführer: großartig! Dieser Teil der SPRECHBLASE zeigt, wie das Magazin immer wieder neue Themen erfasst und mit Informationen aufwartet, die man nirgends sonst lesen kann!

Und dann ist das nostalgische Schwelgen in Jugenderinnerungen natürlich immer wieder ein Grund, DIE SPRECHBLASE zu kaufen. In diesem Fall macht es „klick“ bei mir, wenn ich die ausführliche Titelstory über den Künstler William Vance lese (auch darin und in der präzise recherchierten Comicografie finde ich übrigens noch viele Infos, die mir bisher völlig unbekannt waren). Ich mochte besonders Vances in ZACK erschienene Serien um Geheimagent BRUNO BRAZIL und Raum-Zeit-Abenteurer BOB MORANE. BRUNO BRAZIL war eine Art Mischung aus „Kobra, übernehmen Sie“ und James Bond. Besonders gut erinnere ich mich daran, als in ZACK die finale Story unter dem Titel „Entscheidung in Madagaskar“ erschien, ein knallharter Spionage-Thriller mit einem trostlosen Ende für das „Kommando Kaiman“. Gerade bringt ja Ehapa die Serie in Adaption der französischen „Intégrale“-Ausgaben als prächtige Gesamtausgabe in deutscher Sprache heraus. Auch da wartet DIE SPRECHBLASE noch mit einem Extra auf: Sie dokumentiert auf einer ganzen Seite die von Vance illustrierte und in der Gesamtausgabe nicht enthaltene Erzählung „Fragen Sie nach Papa Konfuzius“, die 1974 in TINTIN SÉLÉCTION erschien. BOB MORANE ist in Frankreich ebenfalls als „Intégrale“-Ausgabe erschienen, die deutsche Veröffentlichung bei Epsilon wurde vor einigen Jahren jedoch nach Band 4 abgebrochen. Das scheint das Schicksal dieser Serie in Deutschland zu sein: Immer wieder wurden Versuche eingestellt, sie hier komplett zu publizieren. Schade, ich habe diese Mischung aus Science Fiction und Abenteuer sehr gemocht. Ich habe mich sogar im Holland-Urlaub immer mit BOB-MORANE-Alben eingedeckt, von denen dort wesentlich mehr erschienen sind als hierzulande. DIE SPRECHBLASE macht vor allem Lust auf das in Deutschland nie erschienene Album „L’empreinte du crapaud“ (Die Spur der Kröte).

DIE SPRECHBLASE enthält auch eine Rubrik „Trauerarbeit“ mit sehr persönlich gehaltenen Nachrufen. Leider sind seit der letzten Ausgabe wieder viele Zeichner, Autoren, Letterer und prominente Comicfans verstorben. Leider muss der Liste auch ein weiterer Name hinzugefügt werden: Anfang Oktober, nach Drucklegung des aktuellen Heftes, starb der Verleger Hans Stojetz, Geschäftsmann und Comicfan, der DIE SPRECHBLASE ab 2008 am Leben erhalten und gemeinsam mit Gerhard Förster weitergeführt hat. Sein Sohn Gerald führt den Verlag und die Herausgabe der SPRECHBLASE fort.

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Kobra: Das waren Comics für Jungs!

Als ich zehn oder elf war, hab’ ich KOBRA gelesen. Das war eine Comic-Zeitschrift für Jungs: Zwar für ein jugendliches Publikum gemacht, aber mit Geschichten der etwas härteren Sorte. Wenn ich KOBRA heute wieder lese, finde ich vieles darin albern. Aber ich kann verstehen, was mich damals daran gereizt hat: Die KOBRA-Comichelden lebten in einer Phantasie-Männerwelt voller Monster und unglaublicher Erfindungen, in der eine Sensation die nächste jagte und sie von einem Abenteuer ins nächste stürzten.

Dabei waren die KOBRA-Helden nicht einmal besonders sympathisch. Es waren meist irgendwelche Typen, denen seltsame Gegenstände eine besondere Kraft verliehen: So wie DAS MAGISCHE AUGE, ein Edelstein, der seinen Träger unverletzbar macht. Ein blonder Junge hängt ihn sich um den Hals und geht auf eine Irrfahrt mit der Zeitmaschine eines kauzigen Erfinders, die die Form einer gotischen Standuhr hat. DIE EISERNE HAND dagegen ist der Tarnname eines Wissenschaftlers, der nach einem Unfall eine künstliche Metallhand erhält. Wenn er damit in Starkstrom fasst, wird er für kurze Zeit unsichtbar, dann ist nur noch seine eiserne Hand zu sehen. Erst nutzt er seine Fähigkeit für Verbrechen, dann tritt er in den Geheimdienst Shadow Squad ein. Später trägt er sogar kurzzeitig ein Superhelden-Kostüm und kämpft gegen außerirdische Eroberer.

Die KOBRA-Comics kamen aus England. Eingeleitet wurde das Heft immer mit dem jeweils nur zweieinhalb Seiten umfassenden Fortsetzungs-Strip MYTEK DAS MONSTER. Da ging es um einen mechanischen Riesenaffen, mit dem ein Wissenschaftler den teuflischen Zwerg Gorga bekämpft, der die Weltherrschaft erringen will. Es folgten fünf bis sieben Fortsetzungs-Episoden weiterer Serien im Umfang von jeweils zwei bis acht Seiten. Am häufigsten dürfte DAS REICH TRIGAN vertreten gewesen sein, eine Art Römisches Reich im Weltall, gezeichnet im Gemäldestil von Don Lawrence. Der Kulturwissenschaftler und Soziologe Horst Schröder hat diese aus den Sechzigern stammende Serie später als rechtsradikal geschmäht. Anfang 1978 erschien auch Lawrences brandneue Serie STORM in KOBRA: Ein Raumfahrer kommt von einer Jupiter-Mission zur Erde zurück und findet diese vollkommen verändert: Die Ozeane sind verschwunden, der Planet ist in archaische Zeiten zurückgefallen. Das war schon ziemlich klasse.

Und dann gab es da noch viele obskure Comics, die heute keiner mehr kennt: HEISSE RÄDER war ein Rennfahrer-Comic, in dem es etwas härter zur Sache ging als beim braven MICHEL VAILLANT auf der anderen Seite des Channels. In BILLY UND DIE FUSSBALLSCHUHE konnte ein Junge mit den Zauberschuhen eines ehemaligen Stürmerstars jedes Spiel gewinnen. Spätestens DR. KARNAKS RACHE, in dem ein unheimlicher Doktor eine fünftausend Jahre alte Mumie erweckt, zeigte, dass ein Comic auch ganz ohne positiven Helden auskommen kann. Ähnlich war es bei einer anderen Serie, die im Original THE SPIDER hieß und wie vieles in KOBRA eher an italienische Fumetti erinnerte: Ihr Held war ein Bösewicht, der erst in späteren Abenteuern auf die gute Seite wechselte. Für KOBRA gab man der Serie frech den Titel SPIDERMAN, da DIE SPINNE bereits als deutscher Titel für Stan Lees SPIDER-MAN verwendet worden war.

KOBRA startete im Februar 1975 in Deutschland und kam dann jede Woche an den Kiosk. Die erste Ausgabe Nr. 7 (gezählt wurden die Kalenderwochen) enthielt ein „Zappelgerippe“ als Gimmick und Episoden der Serien MYTEK DAS MONSTER, SPIDERMAN, SABOR DER DSCHUNGELKÖNIG, DAS REICH TRIGAN, DIE EISERNE HAND, DAS MAGISCHE AUGE und ARCHIE DER MANN AUS STAHL. Der Verlag (Gevacur) saß in der Schweiz, die Redaktion jedoch beim Kauka-Verlag in München. KOBRA war eine Adaption des britischen Magazins VULCAN, das etwa zeitgleich erschien. Jedoch kamen von VULCAN nur 28 Ausgaben heraus, das Magazin wurde bereits 1976 wieder eingestellt. KOBRA, von dem zeitweilig auch eine Taschenbuchreihe erschien, kam auf 167 Ausgaben und wurde erst mit Heft Nr. 16/ 1978 Hals über Kopf eingestellt. Alle laufenden Serien wurden abgebrochen, in den jeweiligen Schlusspanels überhastet der Rest der Geschichten in Textform erzählt. Im letzten Heft druckte Kauka noch eine Gruselgeschichte aus FIX UND FOXI ab, um die nun heimatlosen KOBRA-Leser davon zu überzeugen, darauf umzusteigen.

Ich habe das Ende von KOBRA damals sehr bedauert, denn ich fand das Heft richtig stark. Heute an Halloween passt es gut, sich daran zu erinnern.

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Cooler Fund: Selbstgebasteltes Lucky-Luke-Album aus den Siebzigern

Hat jemand noch die Comichefte, die er als Kind besessen hat? Von meinen haben wenig überlebt: Sie wurden zerlesen, auseinandergerissen, Poster aufgehängt, Bilder rausgeschnitten und später irgendwann weggeschmissen. Noch später habe ich viele davon dann wiedergekauft, aus Nostalgie bevorzugt in genau der Ausgabe, die ich früher besessen habe, jedoch wenn möglich in hervorragendem Erhaltungszustand. Hat meist ein Schweinegeld gekostet.

Einige der zerschlissenen Schätze haben jedoch sogar bei mir die Jahrzehnte überdauert. Hier ist ein LUCKY-LUKE-Band vom Ende der siebziger Jahre, aber einer, den ich wohl als 12-Jähriger selbst montiert habe:

Ich habe damals offenbar die ZACK-Hefte, in denen die LUCKY-LUKE-Geschichte „Auch Opas schießen scharf“ enthalten war, auseinandergerissen und zu einem Album zusammengefügt, das es in Deutschland noch nicht gab. Vorder- und Rückseite, auf eine alte Schulmappe geklebt, habe ich selber gezeichnet, nach dem Vorbild eines ZACK-Titelbildes und dem Muster der LUCKY-LUKE-Alben. Stark, oder?

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Leider kein Kult: Steed and Mrs Peel

Ach, was habe ich diese Serie geliebt: Wenn die Geheimagenten John Steed und Emma Peel kamen, saß ich vor dem Fernsehschirm. THE AVENGERS (Originaltitel) sahen dem Tod mit einem Lächeln ins Gesicht und hatten dabei immer einen Blick für die schönen Seiten des Lebens: Steed war ein Gentleman alter Schule, der sich beim Spionieren nebenbei schon mal eine Nelke ins Knopfloch steckte; Mrs Peel eine moderne Frau, schlagkräftig, intelligent und in ihrem Kampf-Catsuit ein makelloser Anblick. „Karate-Emma“ nannten wir sie damals. Was, wie ich fürchte, eine blöde Erfindung der Fernsehzeitschrift Hörzu war. Steed und Mrs Peel waren Agenten mit Stil. Sie lösten ihre Fälle mit kinky boots, Schirm, Charme und Melone. Keine Frage: Diese Racheengel waren Kult!

Eine Comic-Adaption gab es schon in den Sechzigern. Sie ist sogar in Deutschland erschienen, als Heft und als Fortsetzungsgeschichte in der Bravo, war jedoch eher dröge. Dann kam Anfang der Neunziger eine knackige Mini-Serie mit im Funny-Stil gehaltenen Zeichnungen von Ian Gibson und Texten von Grant Morrison und Anne Caulfield. Die gefiel mir schon besser. Sie erschien unter dem Reihentitel STEED AND MRS PEEL, wohl zur Vermeidung der Verwechslungsgefahr mit dem amerikanischen Superhelden-Comic THE AVENGERS (dt. Die ruhmreichen Rächer).

Anfang letzten Jahres brachte dann der amerikanische Comicverlag Boom! zuerst die inzwischen immerhin zwanzig Jahre alten Ian-Gibson-Comics neu heraus und startete im Anschluss eine brandneue fortlaufende Serie, ebenfalls unter dem Reihentitel STEED AND MRS PEEL. Na, das klang ja gut! Als großer Fan und angefacht durch eine enthusiastische Besprechung der Nullnummer abonnierte ich die neue Serie. Doch immer schleppender wurde der monatliche Gang zum Comicladen, denn STEED AND MRS PEEL war eine herbe Enttäuschung.

Was ist da falsch gelaufen? Zunächst der Text: Da schreiben amerikanische Autoren, die versuchen möglichst britisch zu sein. Das kann ja nicht klappen. Sie wissen, dass die Fälle der AVENGERS immer total abgedreht sind, also liefern sie eine Reise in die Zukunft, ein postapokalyptisches London, eine Selbstmordwelle. Naja. Immerhin tauchen die Cybernauts aus der Fernsehserie wieder auf und der Hellfire Club aus der berüchtigten Episode „A Touch of Brimstone“ (Emma im knappen Sadomaso-Kostüm, in Deutschland erst Ende der Neunziger im Nachtprogramm von Sat.1 gesendet). Aber das reicht nicht. Was die AVENGERS ausmachte waren eben nicht nur Briticisms und irgendwie absonderliche Plots, sondern diese absurden Details an jeder Ecke: Surreale Kulissen, Nebenfiguren mit skurrilen Hobbies, über allem der Hauch des Exzentrischen. All das fehlt hier. Auch wenn sie es versuchen.

Dann die Zeichnungen: Waren Steve Bryant und Will Sliney in Nullnummer und Heften Nr. 1-3 immerhin noch akzeptabel, übernahm ab Heft Nr. 4 die unbegabte Yasmin Liang, deren Zeichenstil einfach keinerlei Charme hat. Ihre Figuren wirken flach und langweilig, für Hintergründe scheint sie sich überhaupt nicht zu interessieren. Es war auch nicht besonders hilfreich, dass ab ihrem Einstieg der blasse Co-Autor Caleb Monroe allein das Ruder übernahm (zuvor im Team mit Mark Waid). Monroe und Liang kommen weder jemals an den Charme des Originals heran, noch haben sie etwas aufregend Neues geschaffen. Die Leser haben das wohl erkannt und das Heft nicht mehr gekauft. Gottseidank hat Boom! die Serie mit Heft Nr. 11 jetzt eingestellt.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Im Briefkasten: phantastisch! Nr. 52

Klaus Bollhöfener und sein Team haben wieder eine großartige Ausgabe dieses Fachmagazins für Science Fiction und phantastische Literatur zusammengestellt: 72 Seiten, ganz in Farbe, prall gefüllt mit tiefgründigen Berichten, Interviews und Rezensionen. Da gibt es mal Texte über mir bisher ganz unbekannte Ecken des Genres, und dann unverhofft Ausgrabungen von Themen, über die ich schon lange gerne mal wieder etwas lesen wollte.

Besonders loben möchte ich das Layout von Günter Puschmann: Schon beim ersten Durchblättern merkt man, dass diese Zeitschrift einfach Freude macht! Von Günter stammt diesmal auch das phantastische Titelbild. Gut gefallen hat mir (von dem, was ich bisher gelesen habe) Sonja Stöhrs vielfältiger Bericht über Hörspiel- und Comicheld MALCOLM MAX. Achim Schnurrer benutzt eine Besprechung von r.evolvers Trash-Romanen einfach mal so zu einem Exkurs und Lobgesang auf die zügellosen NECRON-Fumetti des italienischen Zeichners Magnus, in denen die nekrophile Wissenschaftlerin Frieda Boher sich aus Leichenteilen ein Sexmonster zusammenschraubt. Das finde ich klasse. Über die muss ich unbedingt hier auch mal was schreiben!

Michael Vogt und ich sind natürlich auch wieder dabei mit einer Episode unseres Comicstrips EIN SELTSAMER TAG, den wir seit 2011 zu jeder Ausgabe des Magazins beisteuern. In dieser Nummer erscheint immerhin schon unsere zehnte Geschichte. Darauf sind wir sogar ein wenig stolz. Den Anstoß gab damals Klaus, der in phantastisch! einen regelmäßigen Science-Fiction-Comicstrip bringen wollte. Er fragte Maikel Das, den Verleger der PERRY-Comics. Der leitete die Anfrage an Michael weiter, mit dem ich für PERRY schon zwei Kurzcomics gemacht hatte. Und der fragte mich, ob ich als Autor mit an Bord kommen wollte. Na klaro!

Seitdem machen wir das. Wir haben großen Spaß dabei und noch viele Pläne. Ich werde sicherlich gelegentlich hier davon berichten. Und bestimmt auch das eine oder andere Mal ein paar kleine Geheimnisse ausplaudern. Wusstest du zum Beispiel, dass der erste Arbeitstitel der Serie lautete: „Komischer Tag heute“? Siehste! Muddu Olafs Blog für lesen.

phantastisch! Nr. 52, erhältlich beim Atlantis-Verlag, auch als eBook, und in den nächsten Tagen am Bahnhofskiosk!

Freitag, 4. Oktober 2013

Haste mal zwei Groschen? Nick, der Weltraumfahrer

So war das wohl in den Fünfzigern: Da standen die dünnen Jungs in kurzen Hosen vor dem Kioskhäuschen und bestaunten die „Piccolos“ der Woche: kleine Comicheftchen in Streifenform mit bunten Titelbildern. Die Helden der Geschichten: Cowboys, Ritter, Dschungelkönige und Weltraumfahrer. Ein Heft kostete zwei Groschen (zwanzig Pfennig). Dafür bekamst du zweiunddreißig Seiten Abenteuer, einfach gezeichnet, schnell umgeblättert, ein bis zwei Panels pro Seite, gedruckt in schwarzweiß. Die Geschichten jagten atemlos von einem Höhepunkt zum nächsten, und in der nächsten Woche ging’s weiter.

Der Verleger Walter Lehning aus Hannover hatte die Idee aus Italien mitgebracht und die „Piccolos“ erfolgreich ins Adenauer-Deutschland importiert. Sein eifrigster Zeichner Hansrudi Wäscher schrieb und zeichnete zeitweise vier Serien gleichzeitig und lieferte sie jeden Montag pünktlich im Lehning-Verlag ab. Die Titel sind heute legendär: SIGURD, TIBOR, FALK – und NICK, DER WELTRAUMFAHRER. Wäscher erfand NICK, nachdem Lehning im Fernsehen von der Sputnik-Aktion der Russen erfahren hatte und sogleich eine Stripserie orderte, die im Weltraum spielte. So startete Nick mit seiner Rakete, traf Marsmenschen und Raumpiraten, reiste auf Dschungelplaneten und ins Mikrouniversum.

In den Siebzigern fand ich NICK-Comics in den Remittendenkisten bei „Kaufhalle“, das waren schlecht reproduzierte Abi-Melzer-Nachdrucke der so genannten „Großbände“, die auf die Piccolos folgten: Comichefte im Micky-Maus-Format, mit farbigem Innenteil. Im Sommer 2013 habe ich mich für PERRY RHODAN erneut mit NICK befasst und hielt zum ersten Mal eines jener Original-Streifenhefte aus den Fünfzigern in Händen: Wie cool! Und irgendwie konnte ich nachempfinden, dass die Jungs damals nichts weiter brauchten, um ihre Phantasie in den Weltraum fliegen zu lassen.

Teil 1 meines zweiteiligen Berichts ist erschienen im PERRY-RHODAN-REPORT im Mittelteil von Romanheft  Nr. 2720, das ab heute am Kiosk liegt. Ab dieser Nummer ist der REPORT auch in der eBook-Version des Romans enthalten. Teil 2 folgt in vier Wochen in Heft Nr. 2724.