Mittwoch, 19. Februar 2014

Wieder da: U-Comix

Ja leckomio, es gibt wieder U-COMIX – das Underground-Magazin „aus dem 20. Jahrhundert“ ist zurück! Damals, in den Siebigern und Achtzigern, da brachte das klassische U-COMIX Anarcho-Comics der etwas anderen Art. „Unanständige Comix für Erwachsene“ stand auf dem Cover, auch mal: „Uffgepumpte Comix für Erwaxene“. Naja, es ging ehrlich gesagt wirklich viel um große Brüste und Hanf-Rauchen. Meist waren das Übersetzungen aus Frankreich oder Amerika, zum Beispiel die FREAK BROTHERS von Gilbert Shelton, dem letztjährigen Stargast des Münchner Comicfestivals.

Sheltons FREAK BROTHERS sind auch beim Neustart wieder dabei. Seit 2013 erscheint U-COMIX unter Federführung von Steff Murschetz im Verlag Undergroundcomix.de, zuerst als Gratisheft zum Gratis-Comic-Tag 2013, dann als reguläre Ausgabe am Bahnhofskiosk und im Comic-Fachhandel. Inzwischen sind in Fortsetzung der alten Nummerierung die neuen Nrn. 182-185 erschienen.

Das Konzept hat sich ein wenig gewandelt, was zu vereinzelten Leserbeschwerden geführt hat („Zu wenig Pimmel!“). Die Wahrheit ist: Die heutige Underground-Comicszene ist vielfältiger als in den Siebzigern und interessiert sich für viele verschiedene Dinge: Alltag, Popkultur, Gott, Politik, Sexualität, Weltuntergang ... Das neue U-COMIX ist eine wilde Mischung aus dem respektlos-alternativen U-COMIX der Siebziger und dem futuristisch-philosophischen HEAVY METAL.

Mit dabei sind diesmal vor allem deutsche Künstler: Lukas Kummer mit seinem Transvestiten-Strip (haha!) TRANSIG NACH ZWÖLF, Bert Henning mit DER 50-JÄHRIGE PUNK, Georg von Westphalen mit KAFKAS AFFE und viele andere. In Fortsetzungen erscheint das apokalyptische Großwerk DER VERBORGENE ENGEL von Dietwald Doblies (LURCHI): Da planen zwei Satansknechte eine Expedition in die Unterwelt zur Befreiung ihres Meisters aus tausendjähriger Gefangenschaft. Thorsten Wieser adaptiert auf ferkelhafte Weise Horror-Klassiker. Gerhard Förster und Gerhard Schlegel parodieren den Piccolo-Klassiker FULGOR DER WELTRAUMFLIEGER und nennen das natürlich VULGOR DER WELTRAUMPFLEGER. Wirklich klasse finde ich Konstantin Komardins ultrabrutalen Verbrecherlebenslauf nach einem Track des russischen Rappers Krovostok in Heft Nr. 184.

Nicht jedem muss alles gefallen, was er da sieht. Aber jeder findet etwas, das ihn mitreißt. Ab der nächsten Ausgabe, die in Kürze erscheint, sind Micha und ich übrigens auch mit EIN SELTSAMER TAG dabei – in Farbe!

Donnerstag, 6. Februar 2014

30 Jahre Comic Café

Heute mal wieder auf ’ner Comicparty: Das Comic Café in Bremen feierte sein 30-jähriges Bestehen und Ladeninhaber Lothar Bachmann und seine rechte Hand Jan Albin luden zum Treffen. Oder, um in ihren Worten zu sprechen: „Für alle Freunde/ Freundinnen und Kunden/ Kundinnen besteht Anwesenheitspflicht!“ So traf man da heute sowohl die junge Manga-Kundschaft als auch alte Haudegen wie Kai Stellmann – mit dem ich mich natürlich wieder über MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE unterhalten habe. Es gab Snacks, Getränke und eine Tombola. Man plauderte über die neuesten Comics und die letzten dreißig Jahre. Februar 1984, Mann Mann, da war ich sechzehn!

Früher in der Friedrich-Ebert-Straße Ecke Osterstraße, seit mehreren Jahren ein paar hundert Meter weiter in der Langemarckstraße, war das Comic Café von Anfang an mein Comicladen. Es war schon immer – wie die meisten Comicläden eben – ein vergleichsweise winziges Ladengeschäft, vollgepackt mit alten und neuen Comicheften, -alben und -büchern. Was kann man da für Schätze finden, wenn man durch die Kästen mit in Schutzfolien gehüllten antiquarischen Druckwerken blättert! Und im Neuheiten-Regal findet man alles, was man da sucht.

Comic Café, das heißt für mich: Spirou und Fantasio, Tim und Struppi, Clever & Smart, Adeles ungewöhnliche Abenteuer, Dylan Dog, neue amerikanische Comics und alte ZACK-Hefte. Als ich Ende der Achtziger Zivildienst in einem Städtchen im nordöstlichen Niedersachsen machte, kam ich jedes Wochenende zurück nach Bremen. Eine meiner Stationen war immer dieser Laden, wo ich mich dann mit Lesestoff für die nächste Woche eindeckte.

In den Neunzigern kamen die amerikanischen Comics wieder ganz groß raus. Da waren statt antiquarischer franko-belgischer Comics plötzlich aktuelle Superheldencomics und Graphic Novels aus den USA die Hauptattraktion im Comic Café. Ich kam einmal im Monat in den Laden und holte meine Bestellungen aus dem Previews-Katalog von Diamond ab, dem großen amerikanischen Comicvertrieb, der das Comic Café einmal die Woche beliefert. Manchmal kam ich auch jede Woche.

Jahrelang hat das Team des Comic Cafés auch die Bremer Comicbörse organisiert, die im Konsul-Hackfeld-Haus in der Birkenstraße stattfand. Eine Zeit lang gab es auch monatliche Treffen von Trading-Card-Sammlern. Immer noch habe ich hier ein Fach, in dem meine Bestellungen landen. Immer noch kann man hier jederzeit in tiefsinnige Gespräche mit Comic-Fachleuten verwickelt werden. Und als ich neulich mal dringend ein Original-Piccolo aus den Fünfzigern brauchte, da hatten sie auch das aus ihren geheimnisvollen Beständen im Hinterzimmer sofort parat. Ein richtiger Comicladen halt, in dem man sich wohlfühlen kann.

Samstag, 1. Februar 2014

Arte-Magazin mit Comichelden in Strumpfhosen

Diesen Monat mit einem Blickfang für Comicfans: das neue Programmmagazin des Fernsehsenders Arte! Auf dem Titelbild dieser Comicheld, auf dessen Namen ich gerade nicht komme. Drin ein 6-seitiger Bericht mit Steckbriefen zehn legendärer US-amerikanischer Superhelden. Es sind aus den dreißiger Jahren Superman und Batman, aus den Vierzigern Wundergirl und Captain America, aus den Sechzigern die unglaubliche Spinne, der gewaltige Hulk und der Eiserne, aus den Siebzigern Luke Cage (der erste schwarze Comicheld mit eigener Serie), aus den Achtzigern Rorschach und aus den Neunzigern Spawn. Ja, ich habe hier nach Möglichkeit die deutschen Heldennamen genannt, die ich einfach knorke finde.

Das Ganze wirbt für die 3-teilige Dokureihe „Superheroes“ über den Aufstieg der amerikanischen Comicindustrie von der Anfangszeit nach der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre bis in die Popkultur des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Der erste Teil läuft heute um 22:00 unter dem Titel „Kampf für die Wahrheit“, die weiteren folgen jeweils samstags auf Arte. Die Sendungen dürften jeweils sieben Tage lang in der Arte-Mediathek abrufbar sein. Da werde ich sie mir auf jeden Fall angucken! Zur Reihe ist in englischer Sprache auch ein 300-seitiges Begleitbuch erschienen. Bei Amazon kann man sich einige Seiten in der Vorschau ansehen.

Weiter hinten im Arte-Programmheft ist noch ein Artikel über den Stummfilm DAS CABINET DES DR. CALIGARI, über den ich bekanntlich mal ein dickes Buch geschrieben habe. Er wird im Rahmen der Berlinale am 9. Februar in neu restaurierter Fassung wieder aufgeführt, drei Tage später ist er auch auf Arte zu sehen. News zur Berlinale-Aufführung und zur Fernsehsendung entnehmt ihr am besten dieser Facebook-Präsenz.