Mittwoch, 30. April 2014

Lieblingscomics (3): Die Stadt der tosenden Wasser

Im 28. Jahrhundert leben die Menschen in Wohlstand und Frieden in Galaxity, der Hauptstadt des Sonnensystems. Doch diese glückliche Zukunft gerät in Gefahr, als der Verbrecher Kombul aus dem Gefängnis flieht und eine Raum-Zeit-Maschine stiehlt. Er will die Geschichte ändern und sich zum Herrscher der Menschheit aufschwingen. Der Raum-Zeit-Service schickt seine Agenten Valerian und Veronique, um Kombuls Spur zurückzuverfolgen ins Jahr 1986, die Zeit zu Beginn der „finsteren Jahre“ der Menschheitsgeschichte, über die kaum etwas bekannt ist. Valerian und Veronique landen in New York, das nach einer Katastrophe überschwemmt ist, und treffen dort Plünderer und geheimnisvolle Roboter, Freunde und Feinde. Mithilfe von Verbündeten machen sie einen Trip quer durch das zerstörte Amerika, um Kombul dingfest zu machen und den Zeitablauf wiederherzustellen, in dem einmal Galaxity und der Raum-Zeit-Service entstehen werden.

Dieses Comicalbum von Jean-Claude Mézières und Pierre Christin ist ein echter Klassiker der franko-belgischen Schule und erster Band der Serie VALERIAN, im Original erschienen im Jahr 1970 (das Handlungsjahr 1986 befand sich also aus damaliger Sicht sechzehn Jahre in der Zukunft). Die deutsche Veröffentlichung folgte 1973 unter dem Titel „1984 – Die Erde ertrinkt“ in Fortsetzungen in ZACK. Als Carlsen „Die Stadt der tosenden Wasser“ 1978 in Albenform veröffentlichte, nannte der Verlag die zweite Hauptfigur Laureline um und machte die Serie hierzulande unter dem Titel VALERIAN UND VERONIQUE bekannt. Mézières und Christin schaffen darin über den Zeitraum von vierzig Jahren Realzeit ein faszinierendes und komplexes Universum, bis hin zum 2010 erschienenen Abschlussband „Der Zeitöffner“.

„Die Stadt der tosenden Wasser“ ist einer meiner absoluten Lieblingscomics: ein großes Abenteuer voller phantastischer Erlebnisse mit symphatischen Hauptfiguren, viel Action und Humor. Wir erleben eine Heldenreise durch Raum und Zeit, ein überschwemmtes New York, ein unterirdisches Laboratorium, eine Fahrt in durchsichtigen Blasen mitten durch einen Vulkanausbruch und ein Finale auf einer Weltraumstation. Zwischendurch wird Veronique Opfer einer Verkleinerungsmaschine („Immer sind es die Mädchen, denen solche Sachen passieren!“), und Jerry Lewis hat einen Gastauftritt als „verrückter Professor“ Schroeder (dem wir, ebenso wie Gaunerboss Lester, am Ende der Serie wiederbegegnen).

Der ursprünglich alleinige Titelheld der Serie, der manchmal etwas ungeschickte Raum-Zeit-Agent Valerian, findet in seiner hinreißenden „Assistentin“ Veronique eine mehr als ebenbürtige Partnerin, die ihn ein ums andere Mal aus der Patsche holt. Zur Freude der Leser werden sie im Laufe der Serie ganz selbstverständlich ein echtes Liebespaar – und erleben gemeinsam noch viele Abenteuer in Raum und Zeit.

Wer wissen will, wie Valerian und Veronique sich kennengelernt haben, findet ihr erstes Abenteuer in der Nullnummer „Schlechte Träume“, die Mézières und Christin bereits 1968 fertiggestellt haben, als Sonderband 1984 auch auf Deutsch erschienen, damals meine erste Comic-Rezension im Bremer KursBuch. Natürlich ist das Abenteuer auch in der Gesamtausgabe enthalten, die seit Anfang des Jahres komplett auf Deutsch vorliegt (Carlsen).

Montag, 14. April 2014

Ja, ich tue es!

Ich lese digitale Comics. Schon auf Maikels Geburtsparty (wer nicht dabei war, hat was verpasst!), hatte ich ja unsere PERRY-Comics auf dem iPad dabei. Jetzt habe ich bei comiXology eingekauft, dem führenden Anbieter digitaler Comics in Amerika. Mit ein paar Klicks bin ich angemeldet, schaue mich in dem Angebot um, wähle, bezahle, und schwupps, schon sind die eBooks aus Amerika auf dem Endgerät in meinen Händen. Ich wähle das erste Heft, schaue mir die kompletten Seiten an, wische zur nächsten Seite, tippe auf einzelne Panels um sie zu vergrößern – und kann das zur Not auch in der Straßenbahn oder der Badewanne machen und, W-LAN vorausgesetzt, jederzeit und allerorts neue Titel aus einer unerschöpflichen Auswahl hinzukaufen. Wir sind echt in der Zukunft, oder?

Als Erstes habe ich mir die neuen Comics zu MONDBASIS ALPHA 1 besorgt, die der amerikanische Verlag Archaia in den Jahren 2012/13 herausgebracht hat. Es sind Neubearbeitungen und Fortsetzungen der klassischen Comics zur Fernsehserie aus den Siebzigern, Retro-Feeling einer- und modernes Storytelling andererseits. Die Serie handelte davon, dass der Mond aus der Erdumlaufbahn geschleudert ... ach, das wisst ihr ja alle! Habe dazu einen Riesen-Artikel verfasst, der jetzt im neuen phantastisch! erschienen ist, das in den nächsten Tagen am Bahnhofskiosk bereit liegt (Nr. 54). Darin bespreche ich auch die neuen ALPHA-1-Comics in Vergleich zu den alten aus den Siebzigern.

Ein Tipp noch für Schnäppchenjäger: Auch bei comiXology gibt es manchmal Sonderangebote von Dingen, die später wieder im Preis heraufgesetzt werden. Also aufgepasst und bei Bedarf rechtzeitig zuschlagen!

Donnerstag, 3. April 2014

Da ist das Ding: U-Comix Nr. 186

Heute schon im Briefkasten, ab morgen im Bahnhofsbuchhandel und allen guten Comicläden erhältlich: Das neue U-COMIX, wieder mit vielen Beiträgen aus der bunten deutschen Comicszene. Wie das Titelbild schon andeutet, enthält diese Ausgabe jede Menge Affensex: Da gibt es Georg von Westphalens KAFKAS AFFE, der diesmal auf vier Seiten recht wörtlich „das System fickt“, und Ben Marquardts neue scharfe Serie BANGKOK MONKEYS, in diesem Heft mit einer abgeschlossenen ebenfalls vierseitigen Story, die in der Gangsterszene einer eigenartigen Variante der thailändischen Hauptstadt spielt, in der sprechende Affen und andere seltsame Wesen leben. Da wünsche ich mir in der Tat, dass Ben in weiteren Ausgaben noch tiefer eintaucht in diese phantastische Parallelwelt.

Überhaupt ist der Phantastik-Anteil wieder recht hoch. U-COMIX geht im Jahr 2014 mehr als jemals zuvor in Richtung HEAVY METAL. Gefällt mir! Sebastian Drewniok und Steff Murschetz liefern eine Weltraum-Horrorstory ab, und Dietwald Doblies bringt die vierte Folge seines großangelegten Opus DER VERBORGENE ENGEL, in dem zwei Satansknechte eine Expedition zur Befreiung ihres Meisters aus dem Abgrund planen und sich dafür prominente Hilfe holen: Zuerst erwecken sie den Psychoanalytiker Doktor Freud aus dem Totenreich, der sodann ein Team zusammenstellt ebenfalls bereits verstorbener (realer und literarischer) Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Zeitepochen. Stark! Bin gespannt, wie’s weitergeht.

Und natürlich sind ab dieser Nummer Micha Vogt und ich mit EIN SELTSAMER TAG dabei! Bis auf Episode 1, die im Schwarz-Weiß-Teil platziert ist, erscheinen in U-COMIX künftig alle Episoden in Farbe, auch die bereits zuvor in schwarz-weiß veröffentlichten. Diesmal ist sogar eine Erstveröffentlichung dabei: Als Episode 2 bringen wir einfach schon mal unsere insgesamt fünfzehnte Story, die wir Anfang dieses Jahres fertiggestellt haben (aktuell in Arbeit: Episoden 18 und 19).

Die nächste Ausgabe soll bereits zum Comic-Salon Erlangen im Juni erscheinen!