Montag, 26. Mai 2014

Mark Brandis, Raumkadett als Hörspiel und Comic

Die in der Zukunft spielende Jugendbuch-Reihe MARK BRANDIS des Schriftstellers Nikolai von Michalewsky, die in den Siebzigern und Achtzigern im Herder-Verlag erschien, hatte einen ganz eigenen Charme. Sie handelte nicht von Außerirdischen, sondern von der Politik der Erde. Dennoch waren es mitreißende Weltraumabenteuer. Jeder, der heute ein gewisses Alter erreicht hat, erinnert sich an die phantastischen Titelbilder des Malers und Illustrators Robert André. Die Bücher werden antiquarisch teils zu hohen Preisen gehandelt. In den letzten Jahren hat der Wurdack-Verlag die Romane jedoch in neuer Aufmachung wieder aufgelegt und auch als E-Book veröffentlicht. Sie sind also inzwischen wieder leicht erhältlich. Kurz zuvor begann auch die Hörspiel-Adaption der Serie in der Bearbeitung von Balthasar von Weymarn, die inzwischen fast abgeschlossen ist.

Die Kurzgeschichte „Aufbruch zu den Sternen“ erschien 1983 im gleichnamigen Jubiläums-Sonderband zum 25. Band der Serie. Darin erzählt von Michalewsky, wie sein 13-jähriger Titelheld sich als blinder Passagier auf den Raumfrachter „Barbarossa“ geschlichen und sein erstes Abenteuer im Weltraum erlebt hat. Michael Vogt hat dieses Jugendabenteuer von Mark Brandis bereits vor zwei Jahren als Comic adaptiert und in zwei Teilen im ZACK-Magazin veröffentlicht (Nr. 156 & 157). Damit war diese Serie also nicht nur durch die Hörspiele zeitgemäß vertont, sondern auch in moderner Form visualisiert worden.

Dieselbe Kurzgeschichte ist jetzt erneut adaptiert worden – als Hörspiel, wiederum bearbeitet von Balthasar von Weymarn. Es erschien als Auftakt einer neuen Serie mit Jugendabenteuern unter dem Titel MARK BRANDIS, RAUMKADETT. Das Hörspiel ist in bewährter Qualität produziert und glänzt vor allem durch hochkarätige Sprecher: Daniel Claus spricht den jungen Mark Brandis. Michael Lott, der die Rolle in den bisherigen Hörspielen gesprochen hatte, ist als erwachsener Ich-Erzähler zu hören. Ebenfalls an Bord sind Thomas Nero Wolff, die deutsche Stimme von Hugh Jackman, und viele andere bekannte Sprecher.

Eine besondere Freude für Hörspielfans bietet die Szene, in der der brummige Raumschiffkäptn Nelson für einen Trip zur Venus einen Navigator sucht, und der findige Hafenmeister Marconi ihm für den Posten – eine Frau vermittelt. Nelson und Marconi werden nämlich gesprochen von Horst Stark und Gernot Endemann, den grandiosen Hauptdarstellern der legendären Hörspielserie COMMANDER PERKINS, die zur gleichen Zeit herauskam wie die MARK-BRANDIS-Bücher. Sprecherin der Navigatorin ist Gabi Libbach, die Tochter des Professors in COMMANDER PERKINS.

Der CD sind als Extras noch zwei pdfs hinzugefügt: die ursprüngliche Kurzgeschichte von Nikolai von Michalewsky und die 14-seitige Comicadaption von Michael Vogt! MARK BRANDIS, RAUMKADETT Nr. 1 „Aufbruch zu den Sternen“ ist seit Freitag im Handel, ebenfalls bereits erschienen ist Nr. 2 „Verloren im All“.

Samstag, 10. Mai 2014

Gratis-Comic-Tag 2014

Schon seit einigen Jahren findet nun auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz der Gratis-Comic-Tag statt. Die Idee wurde aus den USA übernommen: An einem Samstag im Mai können sich Fans bei Comichändlern speziell für diesen Tag produzierte Sonderpublikationen abholen, mit denen die Verlage für ihre Produkte werben. Das sind oft bunte Zusammenstellungen aus dem aktuellen Programm, Leseproben, aber auch komplette bereits als Alben publizierte Geschichten in Heftform und sogar extra für diesen Anlass produzierte Hefte.

Im Bremer Comic Café war’s rappelvoll, ein ständiges Rein und Raus, man traf alte und junge Fans, und viele Gratishefte wechselten in den Besitz der Kunden. Am begehrtesten und schon am frühen Vormittag vergriffen war die komplette Vorveröffentlichung des ersten Bandes von SHERLOCK HOLMES & DAS NECRONOMICON (Splitter), in dem der berühmteste Detektiv der Welt mit dem Horror H. P. Lovecrafts konfrontiert wird. Beide Bände zusammen erscheinen Anfang Juni als Hardcover-Ausgabe. Wer heute kein Heft abbekommen hat, kann hier eine Vorschau sehen.

U-COMIX, letztes Jahr mit einem Heft zum Gratis-Comic-Tag neu gestartet, ist wieder mit einem Sonderband vertreten, in dem sich deutsche Künstler „30 Jahre nach 1984“ mit Überwachungsstaat und Gehirnwäsche befassen. Wer hätte gedacht, dass dieses Thema 2014 tatsächlich so brandaktuell sein würde?

Schon gelesen habe ich die ausführliche Leseprobe von Émile Bravos charmantem Kindercomic „Sprung in die Zukunft“, erster Band der Serie PAULS FANTASTISCHE ABENTEUER (Carlsen): Der kleine Paul wird von allen Kindern des Planeten ausgewählt, die erste Reise auf einem interstellaren Raumschiff mitzumachen. Gerne lässt er seinen unausstehlichen kleinen Bruder („Ich werde dein Meerschweinchen töten!“) auf der Erde zurück, doch was er von dem gleichaltrigen Mädchen halten soll, das ebenfalls mit auf die Reise geschickt wird, weiß er noch nicht („Du hast wirklich von nichts eine Ahnung!“). Der Aufbruch geschieht ein wenig überhastet, und offenbar hat man übersehen, Paul ein paar winzige Details zu verraten, zum Beispiel wie lange die Reise dauern wird und was der eigentliche Grund dafür ist, dass zwei Kinder nach Alpha Centauri geschickt werden.

Émile Bravo ist vor allem bekannt für den SPIROU-UND-FANTASIO-Spezialband „Porträt eines Helden als junger Tor“. Seine Graphic Novel „Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen“ wurde 2010 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, sein Kinderbuch „Das tapfere Prinzlein und die sieben Zwergbären“ gewann 2012 auf dem Internationalen Comic-Salon in Erlangen den Max-und-Moritz-Preis. Nächsten Monat gibt es auf dem diesjährigen Comic-Salon eine große Ausstellung zu seinen Comics. Freue ich mich schon drauf.