Sonntag, 22. Juni 2014

Das war Erlangen 2014

Es hat etwas von einem Klassentreffen. Alle zwei Jahre kommt die Comicszene für vier Tage in der kleinen mittelfränkischen Stadt Erlangen zusammen und trifft sich zum Comic-Salon (im Wechsel mit dem Comicfestival München). Es ist eine Fachmesse, ein Festival, ein Fantreffen. Ich bin erst das zweite Mal hier und schon fühle ich mich zu Hause. Erlangen fühlt sich nicht an wie eine riesige Großveranstaltung (was es ist), sondern wie ein Treffen mit Freunden (was es auch ist). Ich treffe alte Freunde und lerne neue kennen.

Es wird viel geredet, geblättert, gefachsimpelt und geplant. Neue Geschichten werden erzählt, und neue Teams finden sich. Wer Projekte im Gepäck hat, stellt sie den Verlagen vor. Und wer sich Hefte oder Alben von den Zeichnern signieren lassen möchte, bekommt immer eine kleine Zeichnung dazu. Auch dieses Jahr hat das wieder viel Spaß gemacht. Hier kommen Leute zusammen, die es lieben, sich in Bildergeschichten auszudrücken. Und so vielfältig die Szene ist, begreifen sich alle als eine große Familie. Das finde ich klasse!

Wie immer mischen sich auch viele Comicfans in Verkleidung ihrer Lieblingshelden ins Publikum und werden Stars zahlreicher Selfies. Da kommt der ganzkörperblaue Dr. Manhattan im schwarzen Anzug, und, wie es scheint, die gesamte Besetzung aus Cats. Oder sind das weltberühmte Mangaheldinnen, die ich nicht kenne? Da stehen The Shadow und Lara Croft nebeneinander und schauen sich Zeichnungen an. Gleich mehrere Spider-Men sind anzutreffen (einer davon weiblich), und selbst der vierte Doctor, zu erkennen an Hut und Schal, besucht diesen besonderen Moment im Raum-Zeit-Kontinuum. Ein geflügeltes, gelb-schwarz-gestreiftes Mädchen erklärt mir, dass sie natürlich nicht die Biene Maja darstelle, sondern The Wasp. Mein Fehler.

Es gab natürlich auch offizielle Programmpunkte, Ausstellungen, Preisverleihungen, Parties. Manch einer macht die Nacht durch und erscheint am nächsten Tag entsprechend gerädert in der Heinrich-Lades-Halle. Ich nenne keine Namen. Stargäste waren dieses Jahr Émile Bravo, Jacques Tardi und Ralf König. Es waren aber auch noch fünfhundert andere Künstler da. Jetzt ist es so wie nach einem Klassentreffen: Schade, dass es schon wieder vorbei ist.

Mittwoch, 18. Juni 2014

Alte Recken und junge Wilde: U-Comix Nr. 187

Ich darf schon im neuen U-COMIX blättern, das morgen zum Comic-Salon in Erlangen erscheint, ab Freitag dann auch im regulären Handel. Auf 68 Seiten gibt es wieder eine fabelhafte Mischung aus alten Recken und jungen Wilden. Stefanie de Saint Genois interviewt MÉTAL-HURLANT-Star Caza. Steff Murschetz präsentiert eine Antwort des legendären Will Eisner auf einen Fanbrief, den Steff ihm 1981 geschrieben hatte. Dazu gibt es die deutsche Erstveröffentlichung von Eisners kleinem Onepager-Zyklus „Das Telefon“, inklusive einer bereits verloren geglaubten, dann jedoch wiederentdeckten Seite: Comicmagazine betreiben manchmal Archäologie.

Neu an Bord ist Christian Scharfenberg, der in einer haarsträubend komischen Pseudo-Dokumentation ins Universum seiner Figur CLIFF STEELE einführt, einem deutschstämmigen, muskelbepackten Primitivling, der in Amerika Karriere als waffenstarrender Superfilmstar macht („I wont to shoot everyone“). Die zahlreichen Trash-Produktionen, in denen er mitspielt, wird Christian uns in künftigen Ausgaben von U-COMIX sicherlich noch ausführlich vorstellen, darunter „Magmor, Son of Thunder“: „He strong. He mighty warrior. He fight for right in age of wrong.” Eine Video-Episode mit Weltraumheld Rick Rocketrider kann man sich hier anschauen.

Wieder dabei ist Konstantin Komardin, der diesmal auf Druillet-Spuren wandelt. Zahlreiche Reihen und Serien werden fortgesetzt, darunter Rene Lehners GEILSTADT über ein beschauliches Städtchen, in dem es immer nur um das eine geht, Georg von Westphalens von der neoliberal-kapitalistischen Welt gebeutelter KAFKAS AFFE und Dietwald Doblies’ eigenartig-düstere Reisegesellschaft, die in DER VERBORGENE ENGEL in die Unterwelt hinabsteigt.

Michael Vogt und ich sind mit drei Seiten EIN SELTSAMER TAG vertreten. Es handelt sich um frühe Episoden aus dem Jahr 2011, hier zum ersten Mal in Farbe, phantastisch koloriert von Micha. Wir haben bereits genug Material für die nächsten paar Hefte produziert. Einen kleinen Einblick ins neue U-COMIX gibt es hier.

Dienstag, 17. Juni 2014

Zweite Perry-Ashcan in Erlangen

Ashcan copy, das war ursprünglich ein Ausdruck der amerikanischen Comicindustrie für Veröffentlichungen, die lediglich aus juristischen Gründen produziert wurden, um sich Titelrechte zu sichern. Diese wurden mit minderwertigem Inhalt einfach so dahingerotzt und durch die Druckmaschine gejagt. Sie gelangten nicht in den Verkauf, sondern kamen direkt in die Ashcan, den Papierkorb. Heute wird der Ausdruck Ashcan-Ausgabe vor allem verwendet für Promo-Material, Mini-Comics und Publikationen, die exklusiv für besondere Veranstaltungen produziert werden. Oft gibt es darin Vorabdrucke, Noch-in-Arbeit-befindliches und Hintergrundmaterial.

Wenn in zwei Tagen der 16. Internationale Comic-Salon in Erlangen seine Pforten öffnet, dann sind da auch die wilden Jungs von der Hamburger Alligatorfarm, Herausgeberin der PERRY-Comics. Jaaa, da ist seit langem kein neues Heft erschienen. Wir arbeiten dran. Als Lebenszeichen gibt es in Erlangen erstmal eine PERRY-Ashcan-Ausgabe mit der exklusiven Story „Für eine Handvoll Zellaktivatoren“, die in einer Gemeinschaftsarbeit von dreizehn Zeichnern und Autoren entstanden und nirgendwo sonst zu erhalten ist. Micha Vogt und ich beteiligen uns mit einem exklusiven Crossover zwischen PERRY und EIN SELTSAMER TAG. Die Auflage ist wesentlich kleiner als bei den regulären PERRY-Heften. Es handelt sich also um eine echte Rarität, die, wie die Ashcan-Ausgabe vor zwei Jahren, sicher bald vergriffen sein wird.

Und das Beste: Die PERRY-Zeichner vor Ort signieren nicht nur, sondern verzieren euer Heft auch gerne mit einer individuellen Zeichnung. Seite 3 des Heftes ist extra dafür freigehalten. Also nichts wie hin zum Stand der Alligator-Farm: Halle C, Stand Nr. 68.